Der alte Mann saß auf der Bank vor dem Funkhaus, die Hände fest um den Griff seines Gehstocks geschlossen. Vor ihm summte die Welt in einem Tempo, das er längst nicht mehr verstand. Menschen eilten an ihm vorbei, die Augen starr auf kleine, leuchtende Rechtecke in ihren Händen gerichtet. Sie wirkten alle so beschäftigt, so wichtig, so... verloren.
„Wissen Sie“, sagte er leise zu einem jungen Mann, der kurz neben ihm stehen blieb, um auf den Bus zu warten, „früher haben wir Radio gehört, um die Welt zu hören. Heute trägt jeder seine eigene Welt in der Tasche und hört gar nichts mehr.“
Der junge Mann sah kurz auf, ein flüchtiger Blick, halb Mitleid, halb Hektik. Er lächelte dünn und wandte sich wieder seinem Display zu. Er hatte keine Zeit für Geschichten. Die Zeit war zu einer Währung geworden, die man nur noch ausgab, aber nie mehr sparte.
Der Alte schloss die Augen. In seinem Kopf hörte er das Knistern eines alten Empfängers. Er erinnerte sich an die Abende, an denen eine ganze Familie um ein kleines Holzgehäuse saß, als wäre es ein Lagerfeuer. Worte hatten damals Gewicht gehabt. Musik war ein Ereignis gewesen, kein Hintergrundrauschen. Er begriff, dass man nicht die Zeit verliert, sondern die Fähigkeit, in ihr zu verweilen.
Als der Bus kam und der junge Mann davonfuhr, blieb der Alte noch eine Weile sitzen. Er genoss die Stille – jenes seltene Echo, das erst entsteht, wenn man aufhört zu suchen.